Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Brutvogelmonitoring wird digitalisiert - Weiterentwicklung des Online-Eingabetools ornitho.de und der SmartphoneApp NaturaList

Fernglas und Smartphone für die digitale Erfassung von Vogelbeobachtungen. (Foto: Rainer Dröschmeister)
Fernglas und Smartphone für die digitale Erfassung von Vogelbeobachtungen.

Hintergrund

Naturbegeisterte beobachten zur Brutzeit Vögel, erfassen sie im Smartphone oder Tablet und bereits kurz nach Ende der Brutsaison liegen wissenschaftlich belastbare Daten vor, ob und wie sich die Bestände der Vögel verändert haben. Das ist bald keine Zukunftsmusik mehr. Mit einem neuen Forschungsvorhaben will der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), zusammen mit dem BfN und Expertinnen und Experten aus der Schweiz, diesem Ziel näher rücken und die Voraussetzungen dafür schaffen.

Das Projekt

Lage und Verteilung der gut 2.600 Probeflächen des Monitorings häufiger Brutvögel in Deutschland (Quelle: Sudfeldt et al. 2012).
Probeflächen des Monitorings häufiger Brutvögel in Deutschland

Ziel des Vorhabens ist es, das Ehrenamt beim Vogelmonitoring - darunter verstehen wir die systematische Erfassung von Vögeln über lange Zeiträume - zu entlasten, indem die Möglichkeiten moderner Techniken stärker genutzt werden. Bislang erfassen Ehrenamtliche die Daten für das Brutvogelmonitoring analog auf Papier, werten ihre Beobachtungen per Hand aus und schicken sie meist per Post an die regionalen Koordinationsstellen. Dies erfordert hohen Aufwand und es dauert lang, bis die Daten zentral ausgewertet werden können, beispielsweise für den bundesweiten Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“. Genau an dieser Stelle setzen die Projektarbeiten an:

Wie kann der Datenfluss von der Erfassung bis zur Auswertung beschleunigt und die Beteiligten durch technische Hilfsmittel entlastet werden?

 


Die Grundlage für das Vorhaben hat der DDA mit der Entwicklung des Online-Portals ornitho.de und der Erfassungs-App NaturaList bereits geschaffen. Seit dem Start des Portals im Herbst 2011 können dort schon Gelegenheitsbeobachtungen eingegeben werden. Dies sind Angaben, die ohne methodische Vorgaben erhoben werden. Das neue Projekt greift die deutlich schwierigere Herausforderung auf, die strengen Standards des Brutvogelmonitorings für Ehrenamtliche gut handhabbar im Portal ornitho.de und der zugehörigen App NaturaList technisch umzusetzen.

Damit das System fehlerfrei arbeiten und technisch optimiert werden kann, sollen in dem Forschungsprojekt alle Arbeitsschritte des Monitorings und die eingesetzten Methoden überprüft und verbessert werden. Als erstes Produkt wird die App NaturaList zu einer Testversion so weiterentwickelt, dass die Beobachtungen im Monitoring häufiger Brutvögel direkt im Gelände digital erfasst werden können.

Mit dem Projekt werden nicht nur die systematischen Vogelerfassungen gestärkt. Gleichzeitig verfügt der Naturschutz über aktuelle Informationen, um künftig schneller auf Entwicklungen zu reagieren. Erste Erfahrungen aus der Anwendung ähnlicher Verfahren im Monitoring rastender Wasservögel zeigen, dass die Ehrenamtlichen – unabhängig vom Lebensalter – die neuen Techniken begeistert nutzen. Die Arbeit im Gelände erhält dadurch einen noch höheren Stellenwert, aufwändige Schreibtischarbeiten entfallen.

Die Bestandsentwicklung des Gimpels wird mit dem Monitoring häufiger Brutvogelarten ermittelt. (Foto: Rainer Dröschmeister)
Die Bestandsentwicklung des Gimpels wird mit dem Monitoring häufiger Brutvogelarten ermittelt.

Ausblick

Die Ergebnisse zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Brutvogelmonitorings sollen in einem Folgeprojekt ab 2019 technisch umgesetzt werden. Hier soll die Testversion der App fertiggestellt und Online-Eingabemöglichkeiten entwickelt werden. Die Erfassungsmethoden werden für eine technische Umsetzung des Brutvogelmonitorings bis zum Jahr 2020 angepasst.

Mit den Projekten wird ein Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und der Naturschutz-Offensive 2020 geleistet, die ehrenamtliche Beteiligung am Vogelmonitoring wird gestärkt. Für die Einführung eines umfassenden bundesweiten Biodiversitätsmonitorings werden die Voraussetzungen geschaffen, zügig Online-Werkzeuge und Apps für die Erfassung weiterer Artengruppen - z. B. der Insekten - zu entwickeln.

Laufzeit

12/2017 bis 6/2019

Förderprogramm

UFOPLAN (F+E-Vorhaben)

Projektträger

Dachverband Deutscher Avifaunisten

Fachbetreuung im BfN

Rainer Dröschmeister, FG II 1.3 Monitoring

Letzte Änderung: 29.12.2017

 Artikel drucken