Bundesamt für Naturschutz

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Nationale Meeresschutzgebiete


Mit Inkrafttreten der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten der EU bereits 1992, ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten zu schaffen. Diese Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG vom 21. Mai 1992) bilden zusammen mit den Europäischen Vogelschutzgebieten gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie (Vogelschutzrichtlinie, 79/409/EWG vom 02. April 1979) das Schutzgebietssystem Natura 2000. Ziel dieses Netzes ist der Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt an Land und im Meer.

Die zehn Natura 2000-Gebiete in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee sind als sechs Naturschutzgebiete seit dem 22.09.2017 unter Schutz gestellt.

Sechs Naturschutzgebiete in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee mit Links zu den Verordnungstexten
Nordsee
Ostsee
 Doggerbank  Fehmarnbelt
 Borkum Riffgrund  Kadetrinne
 Sylter Außenriff – Östliche Deutsche Bucht  Pommersche Bucht – Rönnebank

Umsetzung von Natura 2000

Schweinswal (Phocoena phocoena) Foto: Juniors Wildlife / P. Verhoog
Schweinswal (Phocoena phocoena) Foto: Juniors Wildlife / P. Verhoog

Für die Umsetzung von Natura 2000 an Land und in den Hoheitsgewässern (innerhalb der 12-Seemeilen-Zone) sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Für Natura 2000 im Bereich der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands (AWZ), die sich seewärts der 12-Seemeilen-Zone anschließt und bis zu den internationalen Gewässern jenseits der 200-Seemeilen-Zone reicht, ist hingegen der Bund, vertreten durch das BfN und das BMUB, verantwortlich.

Ausschlaggebend für die Auswahl der Natura 2000 - Gebiete im Meer sind das Vorkommen und die Verbreitung spezieller Arten der Seevögel, Meeressäugetiere und Fische sowie der besonders schützenswerten, international bedeutsamen Lebensraumtypen „Sandbänke“ und „Riffe“, die in beiden oben genannten Richtlinien in Anhängen aufgelistet sind. Ziel der Ausweisung ist der Schutz dieser besonderen und gefährdeten Lebensräume und Arten.

Am 25. Mai 2004 hat Deutschland der EU-Kommission 10 Natura 2000 - Gebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 12 - bis 200 - Seemeilen-Zone) von Nord- und Ostsee gemeldet. Zwei der Gebiete zum Schutz von Seevögeln sind seit September 2005 als nationales Naturschutzgebiet bzw. als Vogelschutzgebiet (Special Protected Area - SPA) ausgewiesen. Die acht FFH -Gebiete wurden im November 2007 von der EU als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (Site of Community Importance - SCI) anerkannt und sind mit Veröffentlichung im Januar 2008 rechtskräftig geworden.

Im September 2017 wurden die insgesamt 10 Gebiete durch sechs Schutzgebietsverordnungen national unter Schutz gestellt. Sie schließen die zur Umsetzung der Vogelschutz-RL bereits ausgewiesenen Naturschutzgebiete mit ein. Dabei werden die beiden bestehenden durch die neuen Naturschutzgebietsverordnungen ersetzt.

Die acht Sites of Community Importance - SCIs - wurden mit der nationalen Unterschutzstellung durch Deutschland zu einem SAC - Special Area of Conservation (SAC) = Besonderes Schutzgebiet.

Das BfN hat nun als zuständige Behörde für den Meeresnaturschutz in der Ausschließlichen Wirtschaftszone die Aufgabe auch verantwortlich für das Management der Gebiete und setzt zusammen mit allen Akteuren konkrete Schutzmaßnahmen um. Die Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen, die zur Erreichung der Schutzzwecke erforderlich sind, werden in Gebietsmanagementplänen festgelegt. Hierbei werden die Öffentlichkeit, die zuständigen Behörden und Interessenverbände eingebunden.

Notwendige Regulierungen der europäischen Fischerei können nicht von den Mitgliedstaaten selbst, sondern nur von der europäischen Kommission im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik erlassen werden. Deshalb erarbeiten das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium, unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz und den Thünen-Fischerei- Instituten, parallel einen Antrag für die notwendigen Regulierungen der Fischerei in den AWZ-Schutzgebieten an die EU-Kommission. Für die Nordsee wird dieser bereits mit den Nachbarstaaten beraten und abgestimmt.